Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von unserem Freund, Mitbegründer und früheren Vorsitzenden des Forum Lebendige Jagdkultur, Dr. phil. Günter Reinhold Kühnle, der am 26. August 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben ist.
Günter Kühnle hat unser Forum und die Auseinandersetzung mit der Jagdkultur über viele Jahre geprägt. Als Philosoph, Publizist und Jagdschriftsteller beschäftigte er sich mit den grundlegenden Fragen des Jagens: Was bewegt den Menschen zur Jagd? Welche Bedeutung hat das Töten für den Jäger? Und was sagt die Jagd über das Verhältnis des Menschen zu Natur und Kultur aus?
Mit Werken wie *Die Jagd zwischen Leidenschaft und Vernunft*, *Der Jäger und sein Ich* und *Der Mensch als Jäger im Spiegel seiner Vernunft* gab er der Jagd eine geistige Dimension, die weit über ihre praktische Ausübung hinausreicht. Seine Beschäftigung mit José Ortega y Gasset und seine Dissertation über die Jagd als Mechanismus der biotischen und kulturellen Evolution des Menschen zeugen von seinem Anspruch, das Wesen der Jagd zu ergründen.
1993 gehörte Kühnle zu den Gründern des Forum Lebendige Jagdkultur, von 2006 bis 2011 war er dessen Vorsitzender. Er hat damit maßgeblich dazu beigetragen, die Jagd als kulturelle, ethische und philosophische Aufgabe in den Mittelpunkt der Arbeit des Forums zu stellen.
Zu einem ehrlichen Nachruf gehört allerdings auch die Erinnerung an die schwierige Seite seines Wirkens. Kühnle war ein leidenschaftlicher und streitbarer Mensch, der seine Überzeugungen mit großer Konsequenz vertrat. Diese Konsequenz wurde mitunter zur Härte. Seine kompromisslose Haltung trug zu den Konflikten bei, die schließlich zur Spaltung des Forums führten.
Wir wollen auch dies nicht verschweigen. Denn ein Nachruf sollte einen Menschen nicht nachträglich von seinen Widersprüchen befreien. Kühnles geistige Kraft und seine Verdienste um die Jagdkultur stehen neben einer Haltung, die es ihm nicht immer leicht machte, andere Positionen gelten zu lassen.
Beides gehört zu seiner Geschichte – und damit auch zu unserer.
Was bleibt, ist sein gedankliches Vermächtnis. Kühnle hat uns dazu gebracht, die Jagd nicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen, sondern nach ihrem Sinn, ihren Grenzen und ihrer kulturellen Bedeutung zu fragen.
Wir müssen nicht jede seiner Auffassungen teilen, um seinen Beitrag zu würdigen. Und wir müssen die Konflikte der Vergangenheit nicht vergessen, um dankbar für das zu sein, was er geschaffen und angestoßen hat.
Vielleicht ist dies die angemessenste Form des Gedenkens an einen Philosophen: **seine Gedanken weiterzudenken, auch dort, wo man ihm widerspricht.**
Das Forum Lebendige Jagdkultur wird Günter Kühnle als einen seiner prägenden Wegbereiter in Erinnerung behalten – als leidenschaftlichen Denker, streitbaren Geist und als Menschen, der die Jagd ernst genommen hat.
Wir danken ihm für das, was er uns hinterlassen hat.
Der Vorstand
Forum Lebendige Jagdkultur